Über mich
Warum ADHS
mein Herzensthema ist
Meine Diagnose bekam ich mit 13. Die passende Unterstützung erst viele Jahre später. Jahrelang wurden Depressionen, Essstörung und Erschöpfung behandelt. Das ADHS geriet dabei immer wieder aus dem Fokus – als wäre es nur ein Nebensatz meiner Geschichte.
Als Kind und Jugendliche fehlte mir die Sprache für das, was täglich vor allem in der Schule geschah: jeder Reiz zu viel, jede Emotion zu groß, die Kraftlosigkeit ohne erkennbaren Grund. Wer sich selbst nicht erklären kann, bekommt schnell eine Erklärung von anderen — selten die richtige.
Niemand stellte die Frage, ob das ADHS vielleicht nicht nur eine Begleitdiagnose war, sondern der gemeinsame Nenner hinter all den Symptomen.
Heute weiß ich:
Nicht das ADHS war das Schwere.
Schwer war vor allem, immer wieder damit missverstanden zu werden.
Noch schwerer war, mich selbst nicht zu verstehen.
Ich habe viele Jahre geglaubt, einfach nicht belastbar genug, nicht diszipliniert genug oder schlicht nicht gut genug zu sein. Im Rückblick ergibt alles einen Sinn: die Reizüberflutung. Der Gedankensturm. Die emotionale Überforderung. Das ständige Laufen auf Reserve. Das Gefühl, immer kämpfen zu müssen – vor allem gegen mich selbst.
Erst als ich verstand, dass mein ADHS nicht die Ursache meines vermeintlichen Scheiterns war, sondern die Erklärung dafür, warum mir vieles trotz aller Anstrengung so schwer fiel, wurde mir etwas Wesentliches klar: Nicht mit mir stimmte etwas nicht – ich hatte nur jahrelang ohne die passenden Werkzeuge gekämpft.
Die Schwierigkeiten verschwanden damit nicht. Aber ich hörte auf, sie als Beweis gegen mich zu werten – dann hörte ich auf, gegen mich selbst zu kämpfen. Statt mich ständig verändern zu wollen, begann ich, mich zu verstehen. An die Stelle von Selbstvorwürfen traten Verständnis und Mitgefühl.
ADHS wurde zu meinem Herzensthema – und als ich Mutter wurde, auch zu meiner Verantwortung.
Plötzlich reichten meine Kapazitäten nicht mehr aus – das Nervensystem dauerhaft überwältigt, zu wenig Raum zum Erholen.
Die täglichen Anforderungen mit zwei kleinen Kindern machten sichtbar, was ich jahrelang irgendwie kompensiert hatte. Plötzlich ging es nicht mehr nur darum mich selbst zu verstehen. Es entstand der tiefe Wunsch, dass meine Kinder nie so lange an sich zweifeln oder sich so unverstanden fühlen müssen, wie ich es erlebt habe. Genau aus diesem Grund begleite ich Menschen mit ADHS nicht nur mit fachlichem Wissen. Sondern mit einem tiefen Verständnis dafür, wie befreiend es sein kann, wenn das eigene Leben endlich Sinn ergibt.
Ich wünsche dir einen Weg mit mehr Verständnis als Bewertung, mehr Orientierung als Selbstzweifeln und das sichere Gefühl, genau richtig zu sein.
Weil ich weiß, wie entscheidend die richtige Begleitung sein kann. Wie viel Leid durch fehlendes Wissen entsteht. Und wie viel sich verändern kann, wenn Menschen endlich verstanden werden und Unterstützung erhalten, die wirklich zu ihnen passt.
— Sandra Hillmann